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„Weltoffene Universität“ vs. provinzielle Personalpolitik

Mit Schreiben vom 16.11.2016 erhielt der Abgeordnete der Linksfraktion, Dr. Wolfgang Weiß, vom Kanzler der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Dr. Wolfgang Flieger, die Aufforderung, „unverzüglich jedwede Tätigkeiten am oder für das Institut für Geographie und Geologie zu unterlassen“. Dies kommentiert der hochschulpolitische Sprecher der Linksfraktion, Karsten Kolbe, wie folgt: 

Das wäre doch mal schön gewesen: Zum 40. Jubiläum der Immatrikulation und seitdem permanenter Zugehörigkeit zur Universität einen Blumenstrauß. – Nein, natürlich hatte Privatdozent Dr. rer. nat. habil. Wolfgang Weiß nicht mit einer Ehrung gerechnet, aber Hausverbot?

In Fachkreisen ist der Geograph und Demograph deutschlandweit bekannt und anerkannt. Als Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. (ehemals Akademie der Wissenschaften), Gründungsmitglied von wissenschaftlichen Vereinigungen (z.B. Deutsche Gesellschaft für Demographie) und als Korrespondierendes Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung war er auch immer ein guter Botschafter der Universität am Bodden. Als Gründer und erster Vorsitzender des Studentenklubs Kiste ist er einer ganzen Studentengeneration im Gedächtnis.

Nun ist er seit der letzten Wahl Mitglied des Landtages. Nicht wenige Kollegen sind durchaus stolz darauf, dass die Greifswalder Geographie nach Prof. Bruno Benthien (Minister bei Modrow und Staatssekretär im Kabinett de Maizière) und Prof. Alfred Gomolka (erster Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns nach der Wiedervereinigung) vor allem wegen der Fachlichkeit der jeweiligen Kollegen auch politisch wieder gut vertreten ist.

Es ist allerdings notwendig, die rechtliche Stellung eines Politikers im Bereich von Lehre und Forschung zu klären. Diesbezüglich fiel der Universität jetzt nichts anderes ein, als Dr. Weiß ein umfassendes Hausverbot zu erteilen. Der Kanzler der Ernst-Moritz-Arndt-Universität forderte den Wissenschaftler am 16.11.2016 ultimativ auf, „unverzüglich jedwede Tätigkeit am oder für das Institut für Geographie und Geologie zu unterlassen“, und widersprach „ausdrücklich der Fortsetzung jedweder Tätigkeit“ seinerseits an der Universität.

Die unmittelbaren Konsequenzen für die Ausbildung lauten: Zwei Vorlesungen werden nicht gegeben, die Betreuung von Studenten im Staatsexamen und bei ihrer Bachelor-Arbeit wird wohl irgendwo in einer Kneipe stattfinden müssen, mehrere Klausuren sind vakant und knapp 25 Abschlussprüfungen zum Staatsexamen sind neu zu organisieren.

Das Thema hat durchaus delikate politische Dimensionen. Während der umstrittene Prof. Weber, der für die AfD in den Landtag einzog, an der Universität Narrenfreiheit genießt und sogar öffentlich dafür gelobt wird, dass er seine Seminare ohne Vergütung weiter geben will, bekommt der Politiker der Linken, der für die Universität – natürlich ebenfalls kostenfrei – prüfungsrelevante Lehrveranstaltungen anbietet und unabhängig vom politischen Mandat langfristig in die Ausbildung an seinem Institut eingeplant ist, den Stuhl vor die Tür gesetzt.“